Der Psychologie-Redakteur der New York Times hat zum wiederholten Male ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Thema: Wer sozial kompetent ist, kommt besser durchs Leben. Die Gehirnforschung habe es längst ans Tageslicht gebracht: Im Grunde seines Gehirns ist der Mensch sozial und an einem friedlichen Zusammenleben interessiert. Gestört wird diese Ur-Freundlichkeit durch Traumata — vom Kindergarten bis hin zum Arbeitsplatz. Vorsicht also vor eifersüchtigen Partnern, aggressiven Chefs und missgünstigen Kollegen. Sich darüber bewusst zu werden, ist der Ausgangspunkt für soziale Intelligenz. Goleman ist ein wahrer Meister, Kompliziertes allgemeinverständlich zu beschreiben. Der US-amerikanische Bestsellerautor zeigt in seinem neuen Buch, dass er dieses Handwerk beherrscht. Bereits im Vorwort verspricht er, dass „in diesem Buch bahnbrechende Entdeckungen aus dem neuen Forschungsgebiet der Sozialen Neurowissenschaft vorgestellt werden“. Das ist treffend formuliert. Auf den folgenden 500 Seiten führt Goleman den Leser durch die Erforschung der menschlichen Psyche. Virtuos verknüpft er die Erkenntnisse aus Biologie, Verhaltensforschung, Psychologie, Neurologie, Primatenforschung, Genetik und Sexualforschung zu einem soliden Grundwissensspeicher in diesen Disziplinen. Seine These — Erfolg durch soziale Kompetenz — untermauert er mit zahlreichen Studien und belegt, dass das menschliche Gehirn ein soziales Wesen ist und am liebsten mit anderen, gleichgesinnten, freundlichen Gehirnen verknüpft ist. Wer lächelt, gewinnt Freunde. Der Mensch — und das ist das zentrale Anliegen Golemans — kann sein Verhalten ändern, wenn er seine Emotionen kennt und lenkt. Und er kann seine Mitmenschen emotional steuern, wenn er sich seiner eigenen emotionalen Sendung bewusst ist. Das gilt selbstverständlich für positive als auch für negative Verhaltensweisen. Wer mürrisch und meckernd in ein Meeting geht, wird den Unwillen der Kollegen ernten. Wer hingegen lächelnd und freundlich auftritt, wird mit seiner positiven Haltung eine gute Stimmung erzeugen, sich besser fühlen und vermutlich sogar erfolgreicher seine Ideen durchsetzen. Goleman schafft es dankenswerterweise, die Erkenntnisse seiner Arbeit nicht in Form von Ratschlägen zu verbreiten. Da er ein versierter Vermittler ist, ist ihm ein populärwissenschaftliches Buch im besten Sinne gelungen. Vom Ansatz folgt er seinem Bestseller EQ2: Der Erfolgsquotient über emotionale Intelligenz. Wegweisend! Bettina Heimich